Geburtsberichte

Wie individuell jede Geburt erlebt wird, zeigen die Berichte von Müttern, Vätern und Großeltern. Für jede Frau brachte das warme Wasser unter der Geburt eine Erleichterung. Dennoch wurde die heilende Kraft des Wassers sehr unterschiedlich genutzt. So berichtet die eine Frau von der Heilung ihrer Krampfadern, während die andere die Elastizität ihrer sportlich trainierten Muskulatur erhalten will. Für S. steht die Geborgenheit in der Familie im Mittelpunkt, für M. vor allem die Schmerzlinderung in der Übergangsphase. Wieder andere wollen ihre Babys besonders sanft gebären. Alle diese Erwartungen kann das Wasser unter einer Geburt erfüllen.

Auswahl:

Jessicas schmerzarme Geburt
Steffens harmonische Familiengeburt
Melindas sanfte Geburt
Geburt eines Vaters
Johannas Geburt
Nils Geburt
Tobias Geburt
Julias Geburt
Fabios Geburt
Florians Geburt


Jessicas schmerzarme Geburt

Jessica ist unser erstes Kind. Wir hatten uns gut vorbereitet auf diese Geburt, denn wir besuchten gleich mehrere Geburtsvorbereitungs-Kurse. Im ersten sprach die Hebamme von Saugglocke und Kaiserschnitt, von Schmerzmitteln und Dammschnitten, von Gymnastikball und Gebärbett. Das alles machte uns Angst. Wir zweifelten daran, daß die Geburt als ein natürlicher Vorgang betrachtet wurde. Also suchten wir nach einer anderen Hebamme, und wenn wir noch so weit fahren müßten! Dann fanden wir auch eine, die begeistert von Wassergeburten sprach und von Selbstbestimmtheit. Sie erzählte aus ihrer Hausgeburtspraxis und wir fühlten uns endlich gut aufgehoben. Wir nahmen alle Informationsangebote wie Filme, Bücher, Frauengruppen und persönliche Beratungstermine bei ihr in Anspruch. Der Geburtstermin war schon bedenklich nahe gerückt und wir wollten uns doch noch für eine Wassergeburt ausrüsten! Wir hatten viel Zeit mit der Hebammensuche vertan.

Am Samstag früh sprang dann die Fruchtblase, aber Wehen waren keine zu spüren. Die Hebamme kam und untersuchte mich. Ich war entsetzt, sie wollte bei einem so unreifen Befund den weiten Weg wieder zurückfahren und erst kommen, wenn Wehen eintreten würden. Da griff ich zur Selbsthilfe. Während mein Mann und die Hebamme noch berieten, schloß ich mich ins Bad ein und machte Kundalini-Yoga. Es half! Eine Stunde später hatte ich kräftige, regelmäßige Wehen. Sie wurden immer heftiger. Ich probierte Gymnastikball und Rückenmassage, Umherlaufen und Geburtstee, die Wehen wurden immer schmerzhafter. Da stieg ich wieder in die Badewanne und entspannte mich bei Meditationsmusik. Das Grün der Zimmerpalmen in unserem Bad verbreitete lösendes Licht um mich herum. Der Wehenschmerz war wieder auszuhalten, ich konnte wieder mit meine Atemrhythmus mithalten. Endlich hatte ich das Gefühl, pressen zu müssen. Das Wasser erschien mir plötzlich unangenehm warm. Ich stieg aus der Wanne und "wehte" hinüber ins Wohnzimmer. Dort erwartete mich die "Blaue Lagune", unser Planschbecken mit angenehm kühlem Wasser. Die Wehen auf dem Wege dorthin waren unerträglich schmerzhaft. Ich flüchtete mich in das entkrampfende blaue Wasser. Schlagartig ließ der Schmerz nach. Im Knien tastete ich nach dem Kopf meines Babys. Mit der nächsten Wehe wurde er geboren. Ich streichelte seine spärlichen Haare, da drehte es sich herum und schaute mich aus dem Wasser heraus aufmerksam an. Da kam auch schon die nächste Wehe und ließ unser Baby herausgleiten. Ich hob es sofort aus dem Wasser heraus an meine Brust. Mein Mann kam ins Planschbecken und umarmte uns beide. Das Baby schaute ihn genau an. Da erschien es uns, als ob unser Kind frieren würde. Wir legten es ins warme Wasser zurück und wiegten es ein wenig. Dabei wurde es ganz ruhig und aufmerksam. Nachdem es sich eine Weile erholt hatte, drehte es von selbst seinen kleinen Körper im Wasser und mein Mann ließ es tauchen. Auch das gefiel ihm gut. Ich hatte noch einmal eine Wehe, und die Placenta kam heraus. Jetzt nabelten wir unser Baby ab. Nun konnte es sich schon weiter wegbewegen von mir. Munter drehte es sich im Wasser und paddelte mit Händen und Füßen. Nach einer Weile schien es Hunger zu haben, denn sein kleiner Mund suchte etwas. Wir legten es an die Brust und machten ihm immer wieder Mut, das Saugen zu erlernen. Endlich saugte es kräftig. Erst, nachdem es von beiden Brüsten richtig getrunken hatte, stiegen wir aus dem Wasser heraus. Im Bett wärmte uns beide ein weiches, kuscheliges Schaffell. Unsere Tochter schlief selig am Busen nuckelnd neben mir ein. Die Geburt hatte fünf Stunden gedauert, mir aber verging die Zeit wie im Fluge. Ich kann mir nicht vorstellen, den Wehenschmerz ohne Wasser ertragen zu können. Die Wassergeburt war meine Alternative, wir haben richtig gewählt.

Erlebnis Wassergeburt, vgs-Verlag


Steffens harmonische Familiengeburt

Nachdem ich zwei Hausgeburten als sehr harmonisch erlebt hatte, erschien mir die Wassergeburt einfach verlockend. Ich rechnete mit einer kurzen, aber schmerzhaften Geburt, wie ich es bisher kannte. Doch diesmal war alles ganz anders!

Die Fruchtblase sprang und wir warteten auf Wehen. Ich putzte, wanderte und stieg Treppen auf und ab. Mit homöopathischen Mitteln kamen endlich die Wehen in Gang. Zögerlich alle 10 Minuten. Doch schon eine Stunde später wurden sie heftig. Ich zittere auf jedem Wehen-Höhepunkt. Das Tempo ist mir zu rasant! Da versuche ich es mit dem Wasser. Ich steige in unser Planschbecken und stütze mich in der Wehe auf eine darüber hängende Schaukel. Welch eine Wohltat! Das Zittern ist schlagartig weg, ich lausche meiner Lieblingsmusik, den zweiten Satz von Chopins e-moll Konzert, immer wieder, immer wieder!

Gelegentlich muß ich aus dem Wasser steigen, um auf die Toilette zu gehen oder meine Haut einzuölen. Doch draußen sind die Wehen so schmerzhaft, daß ich schnell wieder ins Wasser zurücksteige. Inzwischen spürte ich starken Druck nach unten. Doch anders als bei den ersten Geburten, erscheint er mir nicht übermächtig. Ich habe das Gefühl, ihn kanalisieren zu können. Zweifellos eine Wirkung des Wassers! Plötzlich wird mir heiß, es muß kaltes Wasser dazu. Wir messen mit dem Badethermometer. Erst bei 31° Célsius ist es mir angenehm. Mein Mann kann nicht glauben, daß ich so kühles Wasser als warm empfinde.

Auf einmal geht es ganz flott. Schon fordert mich die Hebamme auf, mein Kind mit der Hand zu fühlen. Tatsächlich - da ist das Köpfchen schon, ganz voller Haare. Noch zwei kräftige Wehen und unser Baby rutscht aus mir hinaus, direkt ins Wasser hinein. Ich nehme es auf und bin glücklich, daß Steffen endlich da ist. Er schaut mich auch gleich mit großen Augen an. Seine beiden Brüder und die Großeltern kommen herein, um das neue Familienmitglied andächtig zu bewundern.

Erst jetzt nehme ich wahr, daß es inzwischen dunkel geworden ist. Drei Stunden sind vergangen. Nur der Schein einer Kerze erhellt das Badezimmer. Eine warme, gemütliche Atmosphäre umfängt uns. Sie paßt gut zu unserer ruhigen Freude über die Ankunft unseres dritten Sohnes.

Nachdem auch die Placenta geboren ist, steige ich mit dem Baby im Arm aus dem Wasser. Jetzt legen wir uns erst einmal ins Bett und beschnuppern einander ausgiebig. Wie toll mein Söhnchen riecht! Das Fest der Geburt ist eine beglückende Erfahrung für uns alle geworden. Sollten wir noch ein Kind bekommen, so wird es auch im Kreise der Familie im Wasser geboren werden - das ist sicher!

Erlebnis Wassergeburt, vgs-Verlag


Melindas sanfte Geburt

Als Stillgruppenleiterin lerne ich viele Frauen kennen. Da bescherte mir das Schicksal eines Tages eine Hebamme, die unsere Zusammenarbeit in der Stillberatung besprechen will. Welch ein Zusammentreffen! Denn wir erwarten gerade unser drittes Kind. Eigentlich hatten wir schon nach der ersten Geburt im Krankenhaus den Entschluß gefaßt, das nächste Baby zu Hause zu bekommen. Aber wir fanden in der zweiten Schwangerschaft einfach keine freipraktizierende Hebamme und mußten deshalb wieder im Krankenhaus entbinden. Und jetzt kommt mir die Hebamme ins Haus geschneit und berichtet begeistert von der Sanftheit der Wassergeburt und ihren guten Stillvoraussetzungen. Sofort melden wir uns an und vereinbaren regelmäßige Vorsorge-Termine mit ihr. Ich berichte von meinen eigenen Erfahrungen mit Wasser unter der Geburt. Bei beiden Geburten konnte ich die Wehen in der Badewanne besser veratmen als außerhalb vom Wasser. Wenn die Wehen dann am schlimmsten wurden und ich an dem Punkt der Verzagtheit angelangt war, mußte ich jedesmal aus der Wanne steigen und aufs Kreisbett klettern. Ich fühlte beide Male ganz deutlich, daß das Wasser gerade in der Übergangsphase am hilfreichsten sein würde. Das Pressen in der Rückenlage und den Dammschnitt hatte ich in besonders schlechter Erinnerung. Deshalb war für uns sofort klar, daß wir diesmal eine Wassergeburt wagen würden.

Nun saßen wir in der Badewanne und veratmeten die Wehen gemeinsam. Mein Mann saß hinter mir, so daß ich mich bei ihm anlehnen konnte, wenn ich mich entspannte. Unser Sohn schlief und die Tochter spielte mit einem Freund im Wohnzimmer. Die Wehen waren sanft und trotzdem effektiv. Ich hatte im Wasser ein gutes Körpergefühl und konnte spüren, wie der Muttermund langsam aufging. Die Hebamme verließ sich auf mein Urteil. Sie war offenbar überzeugt, daß es gut voranginge. Ein beruhigendes Gefühl! Die Wehenphase dauerte etwas länger als bei den ersten beiden Kindern. Dafür waren sie gut zu verarbeiten und ließen mir genügend Pausen zum Erholen. Indische Musik, Kerzenlicht und die Hände meines Mannes halfen mir, loszulassen.

Die Übergangsphase bestand dann aus einer einzigen Wehe. Diesmal blieb nicht einmal Zeit, um Gedanken der Entmutigung oder Verzagtheit überhaupt entstehen zu lassen. Mit der nächsten Wehe spürte ich schon, wie der Kopf des Babys herausdrängte. Ich schob einmal leicht mit, und das ganze Kind kam heraus. Das unangenehme Pressen blieb mir erspart. Wir hoben unser Baby gemeinsam aus dem Wasser und legten es auf meine Brust. Mein Mann umarmte uns beide und war überglücklich. So hautnah hatte er bisher nicht dabei sein dürfen. Unsere Partnerschaft hatte ihren Höhepunkt in einer friedlichen, sanften Entbindung. Was für eine glückliche Erfahrung!

Wie gerufen stand plötzlich unsere Tochter in der Tür und wollte das neue Baby begrüßen. Stolz ging sie dann zum Bäcker und holte für alle Brötchen zum Frühstück. Natürlich wurde dieser Gang heute etwas ausgedehnter als sonst, denn jeder im Ort mußte ja erfahren, daß ihre kleine Schwester nun endlich "herausgeschwommen" war. Eine nicht alltägliche Geburt!

Erlebnis Wassergeburt, vgs-Verlag


Geburt eines Vaters

Als meine Frau das erste Mal von einer Wassergeburt im eigenen Heim sprach, hielt ich das für eine Schwangeren-Laune. Was hatte sie nun schon wieder gelesen? Aber sie beharrte auf dieser Idee und so gingen wir gemeinsam zum Geburtsvorbereitungskurs. Als Mediziner eines anderen Faches hörte ich mich auch in der Geburtshilfe um. Immer wieder wurde ich von Kollegen gewarnt, die Hausgeburt sei gefährlich und bei einer Wassergeburt könne ein Baby sogar ertrinken! Die Hebamme gab uns Literatur und Videofilme, die von Wassergeburten bei ihr, in Geburtshäusern und anderen Ländern berichteten. Wir konnten mit eigenen Augen sehen, daß ein Neugeborenes eine Wassergeburt sehr gut überlebt, ja sogar Vorteile für die weitere Entwicklung daraus ziehen konnte. Die Geburten sahen immer sehr persönlich und sanft aus. So entschieden wir uns für eine Entbindung in unserer eigenen Badewanne.

Die Geburt selbst war eine wunderbare Erfahrung. Wir würden heute wieder die gleiche Entscheidung treffen. Ich saß bei meiner Frau in der Badewanne und erlebte die Geburt so nah wie sie selbst. Ja, ich sah sogar viel mehr als sie, denn sie war mit jeder Faser beschäftigt. Es war einfach ein überwältigender Augenblick, als unsere Tochter Carmen herausgeschwommen kam. Sie war von Anfang an aufmerksam und interessiert an ihrer neuen Umgebung. Es war so leicht, Kontakt mit ihr aufzunehmen! Endlich, nach neun langen Monaten, die sie für mich hinter der Bauchwand meiner Frau verborgen geblieben war, konnte ich sie in den Arm nehmen. Ich glaube, ich hatte bisher kein bewegenderes Erlebnis in meinem Leben!

Ich wußte von einigen Vätern, daß sie sich im Kreissaal bei der Geburt recht hilflos gefühlt hatten. Für mich gab es dieses Gefühl während der ganzen Entbindung nicht. Wir arbeiteten gut zusammen, alle drei, meine Frau, das Baby und ich. Die Hebamme begleitete uns, alles verlief ruhig und entspannt. Wir selbst hatten uns diese Aufgabe einer Geburt gesetzt, und wir selbst führten sie auch aus. Die Kraft, die uns dabei zugewachsen ist, trägt unsere neue Familie wie auf Wolken. Wassergeburt ist eine Geburtsform, die Raum für die persönliche Entwicklung aller Beteiligten schafft. Für uns ist sie die sicherste und sanfteste Methode, die wir wählen konnten.

Erlebnis Wassergeburt, vgs-Verlag


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Zuletzt geändert am 08. Aug. 2004