Eine Erfahrung, die viele Eltern machen: In den ersten zwei, drei Lebensjahren können sie ihr Kind weitgehend vor Krankheiten schützen, indem sie seine Kontakte mit anderen dosieren. Doch im Kindergarten oder ab der 1. Klasse ist damit Schluss. Nun hat der Sprössling tagtäglich mit Altersgenossen Kontakt - zu einem Zeitpunkt, an dem sein Immunsystem noch nicht ausreichend gestärkt ist. Gegen die meisten Krankheiten kann man sein Kind impfen lassen, doch nicht alle Eltern tun dies auch. Häufiges Kranksein ist natürlich erst einmal belastend, aber es hat auch seine Vorteile: mit jeder durchstandenen Krankheit wird das Immunsystem gestärkt, trotzdem sollten alle Impfungen eingehalten werden.
Zu: Dreimonatskoliken
Drei-Tage-Fieber
Keuchhusten (Pertussis)
Krupphusten
Masern
Mumps (Ziegenpeter)
Röteln
Scharlach
Windpocken
DREIMONATSKOLIKEN: Manche Babys schreien in den ersten drei Monaten oft stundenlang, vorwiegend abends und ohne ersichtlichen Grund. Das Baby schreit dann so laut und kräftig,daß sein Gesicht rot anläuft und es die Beine krampfartig anzieht. Ursache dafür sind jedoch keine "Bauchkrämpfe", wie manche meinen könnten. Das Baby preßt die Beinchen an den Leib, weil das die natürliche Haltung bei heftigemm Schreien ist.
Die Ursachen für diese sogenannten "Dreimonatskoliken" sind nicht genau bekannt. Sie haben zumeist nichts mit der Ernährung zu tun. Sie kommen deshalb sowohl bei gestillten als auch bei nichtgestilten Babys vor. Eine Nahrungsumstellung bringt daher keine Besserung. Auch Blähungen sind nicht die Ursache für die langen Schreiattacken, sondern eher die Folge der vielen eingeatmeten Luft.
Möglicherweise spielt eine verzögerte Reifung des Verdaungsapparates eine Rolle. Auch eine verzögerte Anpassung an die vielfältigen Umweltreize ist denkbar, die innere Spannungen verursachen, die sich dann abends durch Schreien entladen. In seltenen Fällen kann auch eine Kuhmilch-Eiweiß-Unverträglichkeit die Ursache sein. Dann hilft bei gestillten Kindern eine Diät der Mutter mit Verzicht auf Milch und Milchprodukte.
Bei nichtgestillten Kindern solte auf eine kuhmilch-eiweißfreie Säuglingsnahrung umgestellt werden. Dies sollten Sie unbedingt mit Ihrem Kinderarzt besprechen.
Vorbeugend: Achten Sie beim Stillen oder Füttern mit der Flasche darauf, daß Ihr Baby möglichst wenig Luft schluckt (bei Fläschchenfütterung auf richtige Saugergröße achten, Schaumreste nicht mitfüttern). Wenn Sie stillen, sollten Sie blähende Speisen meiden. Versuchen sie eine ruhige, ausgeglichene Atmosphäre zu schaffen.
Während der Kolik: Versuchen Sie herauszufinden, was Ihrem Baby guttut: ein warmer Leibwickel, ein warmes Bad, Herumtragen und dabei leichtes Schaukeln, sanfte Bauchmassage.
Leider gibt es aber kein Patentrezept. Auch Medikamente helfen im allgemeinen nicht un sollten möglichst vermieden werden. Manche Babys müssen einfach aus dieser Anpassungskrankheit herauswachsen, bevor die Koliken aufhören. Natürlich ist das für die Eltern eine große nervliche Belastung. Vielleicht kann Sie aber die Gewißheit trösten, daß Ihr Kind gesund ist, prächtig gedeiht und das der Spuk im alter von drei Monaten spontan aufhört.
DREI-TAGE-FIEBER ist eine kurze, harmlose, aber hochansteckende Virusinfektion. Typisch sind Schwitzen und Fiebern (rasch bis zu 40° Celsius), Erbrechen und mit Abklingen der Krankheit ein fleckiger Ausschlag an Rumpf, Armen und Beinen. Pflege wie bei Fieber, ärztliche Behandlung ist normalerweise nicht erforderlich.
Inkubationszeit: 7-17 Tage
Ansteckungsgefahr: 3 Tage vor Ausbruch der Krankheit
Immunität: lebenslang
Impfung möglich: nein
KEUCHHUSTEN (Pertussis) ist im Anfangsstadium schwer zu diagnostizieren, weil er mit einer einfachen Erkältung anfängt (Dauer: etwa zwei Wochen). In dieser Phase ist Ihr Kind aber schon hochansteckend. Typische Symptome des Keuchhustens: Das Kind schnappt keuchend nach Luft, der Husten ist Stakkato ähnlich, die Anfälle treten vor allem nachts auf. Manchmal ist der Husten so stark, daß das Kind Schleim oder den Mageninhalt erbricht. Bei Verdacht auf Keuchhusten sollten Sie mit Ihrem Kind sofort den Arzt aufsuchen, denn es besteht die Gefahr einer Lungen-, im schlimmsten Fall einer Hirnhautentzündung. Frühzeitig erkannt, können Antibiotika den Husten abmildern. Eine Behandlung ist auch mit bewährten Naturheilmitteln (Pertudoron, Homöopathie) möglich. Kinder mit Keuchhusten sollte man unbedingt von Säuglingen fernhalten. Für sie kann der Husten lebensgefährlich sein.
Inkubationszeit: 1-3 Wochen
Ansteckungsgefahr: 1 Woche nach Ansteckung, abnehmende Gefahr bis zur 5. Woche (bei antibiotischer Behandlung schon nach ca. 14 Tagen)
Immunität: nicht lebenslang
Impfung möglich: ja
KRUPPHUSTEN entsteht durch eine Virusinfektion am Kehlkopf. Charakteristisch sind ein bellender Husten - meist nachts - mit lautem Einziehen der Luft. Weil die Atemwege stark anschwellen, hat das Kind oft das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen. Bereits beim ersten Kruppanfall sollten Sie den Arzt zu Rate ziehen. Er wird dem Kind Kortisonzäpfchen verordnen, um die Schwellungen zu beseitigen.
Inkubationszeit: 1-3 Tage
Ansteckungsgefahr: Virus nur für kruppanfällige Kinder gefährlich, von Ansteckungsbeginn bis zur Entfieberung
Immunität: keine, wächst sich aber mit etwa 6 Jahren aus
Impfung möglich: nein
MASERN kündigen sich wie ->Keuchhusten klammheimlich über eine Erkältung an. Nach drei bis vier Tagen folgen die typischen Masernsymptome: Das Fieber steigt auf bis zu 40° Celsius an, das Kind ist sehr lichtempfindlich und die Gesichtszüge "verschwimmen". Der Masernausschlag mit hellrosa Flecken beginnt hinter den Ohren, verbreitet sich am ganzen Körper, wird rötlich-lila und fließt zu größeren Flächen zusammen. In der Wangenschleimhaut im Mund bilden sich salzkorngroße weiße Stippchen mit rotem Hof. Gegen den Masernvirus an sich kann der Kinderarzt zwar nichts tun. Trotzdem sollten Eltern ihn unbedingt hinzuziehen, denn Masern können schlimme Folgeschäden haben. Und die Begleiterscheinungen wie Husten oder Bindehautentzündungen kann der Arzt medikamentös behandeln, außerdem sollten Sie das Zimmer abdunkeln und gut lüften. Leichte Kost, viel Obst und Zitrussäfte.
Inkubationszeit: 8-14 Tage
Ansteckungsgefahr: während der Inkubationszeit bis 2 Tage nach Beginn des Ausschlags; Babys bis zum fünften Monat sind immun
Immunität: lebenslang
Impfung möglich: ja
MUMPS (Ziegenpeter) äußert sich durch heftiges Fieber (bis zu 40° Celsius) und durch das Anschwellen der Speicheldrüsen unter den Ohren, den Mumpsbacken. Sie sind sehr schmerzhaft. Das kind klagt über Kau- und Schluckbeschwerden, Halsweh und Ohrenschmerzen. Wärme kann die Beschwerden lindern. Klagt Ihr Kind über starke Kopfschmerzen und Steifheit im Nacken, sollten Sie in jedem Fall einen Arzt konsultieren, denn Mumps kann die Ursache für eine Gehirn- oder Hirnhautentzündung sein. Ansonsten eine Woche strenge Bettruhe und nährende Getränke (Fruchtmilch, Gemüsebrühe) für´s Kind, eventuell mit Strohhalm.
Inkubationszeit: 16-20 Tage
Ansteckungsgefahr: 1 Woche vor bis 10 Tage nach Auftreten der Schwellung, bei Säuglingen und Kleinkindern sehr selten
Immunität: lebenslang
Impfung möglich: ja
RÖTELN kann der Laie im Anfangsstadium kaum von ->Masern unterscheiden. Die weißen Stippchen aber fehlen und das Fieber steigt nicht ganz so hoch. Kinder mit Röteln sollten unbedingt von Schwangeren ferngehalten werden, denn der Virus kann beim Ungeborenem zu Mißbildungen führen.
Inkubationszeit: 11-23 Tage
Ansteckungsgefahr: 1 Woche vor dem Auftreten der Flecken bis zu ihrem Verschwinden, meist Linder zwischen drei und zehn Jahren
Immunität: in den meisten Fällen lebenslang
Impfung möglich: ja; bei Mädchen, die nie Röteln hatten, unbedingt in der Pubertät impfen
SCHARLACH wird durch Streptokokkenbakterien ausgelöst. Zu Beginn ist die Zunge weiß belegt, dann wird sie himbeerrot. Symptome sind starkes Fieber, Halsweh, Ohren- und Kopfschmerzen, Erbrechen und Schluckbeschwerden sowie ein großflächiger hellroter, samtiger Ausschlag in der Leistengegend und den Achselhöhlen, der später den gesamten Körper überzieht. Um Komplikationen wie Herz-, Nieren-, und Gelenk-, Mittelohr- oder Nebenhöhlenentzündungen zu vermeiden, empfiehlt die Schulmedizin Bettruhe und mindestens zehn Tage Penicillin einzunehmen und bei allen Familienmitgliedern durch Rachenabstrich eine Ansteckung auszuschließen.
Inkubationszeit: 2-7 Tage
Ansteckungsgefahr: mit dem Ausbruch der Krankheit bis 2 Tage nach Beginn der Penicillinbehandlung; erst ab dem dritten Lebensjahr, in seltenen Fällen auch früher
Immunität: im Prinzip nicht
Impfung möglich: nein
WINDPOCKEN werden von einem Virus ausgelöst, der so klein ist, daß der Wind ihn bis zu zehn Meter weit verbreiten kann (daher auch der Name). Typische Anzeichen sind leichtes Fieber und ein juckender Ausschlag. Die roten Flecken können sich über den gesamten Körper verteilen und auch die Schleimhäute (z.B. im Mund) befallen. Sie entwickeln sich zu nässenden Bläschen, die im Laufe einer Woche austrocknen, verkrusten und abfallen. Die Krankheitsursache, den Virus, kann der Arzt nicht bekämpfen. Er wird aber Zinksalben und Lotionen empfehlen, die den Juckreiz lindern. Damit sich die Bläschen nicht entzünden, wenn der kleine Patient sie aufkratzt, werden manchmal Antibiotika verordnet.
Inkubationszeit: 2-3 Wochen
Ansteckungsgefahr: 2 Tage bevor der Ausschlag auftritt bis die Pusteln verkrustet sind
Immunität: vermutlich lebenslang
Impfung möglich: nein
Quellen: KINDERKRANKHEITEN von H. Keudell, Gräfe und Unze-Verlag; VCL Bavaria , MUTTER UND KIND - Das große Babybuch von Sabine Schwabenthan, Vivian Weigert, Mosaik Verlag GmbH München und Dr. Thomas Rautenstrauch, Kinderarzt in München
Zuletzt geändert am: 02. April. 2000